Aus der Geschichte
2.Jh. v.Chr.
Die zu den germanischen Stämmen zählenden Langobarden siedelten bis Ende des 2. Jahrhunderts nach Christi Geburt im Gebiet der heutigen Landkreise Harburg, Lüneburg und Uelzen (siehe Abbildung rechts). Dann zog ein Großteil der Langobarden elbaufwärts über Böhmen nach Oberitalien, wo sie von 568 n.Chr. bis zur Eroberung durch die Franken (774) ein Königreich im Bereich Venetien, der Poebene und der Toskana errichteten, an das heute noch der Name Lombardei erinnert.
Die an der Elbe verbliebenen Langobardengruppen gehen im 5. und 6. Jahrhundert in den Stamm der Sachsen auf. Die Sachsen hatten bis zum 1. Jahrhundert nach Christi Geburt in Holstein gesiedelten,drängten dann über die Elbe und breiteten ihre Herrschaft bis zum 7.Jahrhundert fast über das ganze nordwestliche Deutschland aus.

8.Jh. n.Chr.
Unterwerfung und Missionierung der Sachsen unter Karl dem Großen (742-814, König des Frankreichs 768 bis 814 , Kaiser ab 800 n.Chr.).
845 n.Chr.
Im Sommer des Jahres 845 erschien auf der Elbe eine Wikingerflotte und zerstörte den größten Teil Hamburgs. Der Hamburgische Bischof Ansgar (Abbildung) floh vor den anstürmenden Wikingern Richtung Süden und brachte sich im heutigen Ramelsloh in Sicherheit. Der Legende zufolge schenkte ihm hier eine fromme Frau namens Ikia Grund und Boden, auf dem er ein Männerstift gründete. Die Namenspatrone des Stiftes Sixtus und Sinnitius waren heilig gesprochene Märtyrer, deren Leichname als Reliquien galten und die Ansgar angeblich auf der Flucht mit sich führte.

937 n.Chr.
Erste urkundliche Erwähnung des zur Diözese des Bremer Erzbischofs zählenden Ramelsloher Stifts. Der Urkunde zufolge bildeten zwölf Domherren das Stift einschließlich eines Küsters, Kantors und Wirtschaftsleiters.
1144 n.Chr.
Heinrich der Löwe (Abbildung: Herzog von Bayern und Sachsen, 1129-1195) nahm den bremischen Erzbischof Adalbero rechtswidrig auf einem Gerichtstag im Stift Ramelsloh gefangen. Um seinen Einflussbereich weiter nach Norden ausdehnen zu können, verlangte (und erhielt) der Welfenfürst als Lösegeld die Herrschaft über die einträglichen Stader Besitztümer zwischen Elbe und Oste, die Erzbischof Gerhard nach Aussterben der männlichen Linie der Stader Grafen seinem Herrschaftsgebiet zugeschlagen hatte.

1529 n.Chr.
Ernst der Bekenner (Abbildung: Herzog von Braunschweig-Lüneburg, 1497-1546), der aufgrund seiner Ausbildung an der Universität in Wittenberg von der Lehre Luthers geprägt war, ließ in den Klöstern seines Fürstentums Visitationen durchführen, um alle kirchlichen Einrichtungen im Lande der neuen Konfession zuzuführen. In Begleitung seiner Räte erschien er am 27.Juni 1529 im Stift Ramelsloh, verlangte eine Aufstellung der Einnahmen sowie des Güterbesitzes und setzte einen Winsener Amtsschreiber als Verwalter sowie den bereits zum Luthertum übergetretenen Pastor Heinrich Wolder aus Sinstorf als Prediger ein.
Die Kanoniker des Stifts lehnten sich zwar gegen diese Bestimmungen auf, der Herzog zwang sie jedoch zum Nachgeben. 1540 wurde ein Vergleich geschlossen, wonach das Stift zwar dem Landesherrn unterstellt wurde, aber als evangelisches Männerstift weiter bestehen konnte.

1601 n.Chr.
Durch Spendengelder gelang es dem Stift Ramelsloh, das selbst nur über geringe Einkünfte verfügte, das 1596 zusammengebrochene Kirchenschiff neu zu errichten (Unsere Abbildung zeigt diesen Kirchenbau auf einer Fotografie aus dem Jahr 1870).

1625 n.Chr.
Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) erreicht auch Ramelsloh. Kaiserliche Truppen rückten in das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg ein und plünderten unter ihrem Befehlshaber Graf Mansfeld (1580–1626) auch Ramelsloh. 1638 wird Ramelsloh erneut geplündert, wobei das Pfarrhaus zerstört wurde.
1684 n.Chr.
Zusammenschluss des Stifts Ramelsloh, zu dem - seit der Reformation - lediglich der Stiftsbereich selbst und einige Waldgebiete, die "Ramelsloher Ohe", gehörten, mit der bis dahin nach Pattensen "eingepfarrten" Dorfgemeinde durch Conrad Balthasar Volckmann (1635 - 1709; seit 1664 Kanoniker und Pastor des Stifts Ramelsloh). Die Ramelsloher Stiftskirche wird damit Pfarrkirche für die Ramelsloher Bevölkerung.
1818 n.Chr.
Errichtung einer "königlichen Klosterkammer" in Hannover durch den Prinzregenten Georg (1762 - 1830, siehe Abbildung rechts), den späteren König Georg IV. von Großbritannien, Irland und Hannover (1820 bis 1830). Unter dieser Einrichtung wurden die bereits durch die Reformationszeit entstandenen ehemaligen Kirchen- und Klostervermögen mit den während der napoleonischen Zeit enteigneten geistlichen Ländereien und Vermögenswerten zu einem Klosterfond zusammengeführt, der vom Staatsvermögen völlig getrennt ist.

1846 n.Chr.
Der letzte Ägidiusmarkt findet in Ramelsloh statt. Dieser Markt entwickelte sich der aus der zum 1.September jeden Jahres fälligen Ablieferung des Zinskorns durch die Klosterbauern (Unsere Abbildung zeigt - nachgestellt im Rahmen der 1150 Jahrfeier - eine Bauernfamilie auf dem Weg zum Ägidiusmarkt; weitere Informationen unter "Ramelsloh - Kaleidoskop" im Menuepunkt "Ägidiusmarkt").

1863 n.Chr.
Auflösung des Stifts Ramelsloh. Der Besitz und damit die Verpflichtung, erforderliche Baumaßnahmen an der Kirche zu finanzieren, gingen auf die Königliche Klosterkammer Hannover über.
1865 n.Chr.
29.April: Großer Brand von Ramelsloh, dem 29 Gebäude zum Opfer fallen. Darunter auch das Küsterhaus, das gleichzeitig Herberge für Papiermacher und Gasthaus war (heute Enge Straße 6). Nach dem Brand wurde an dieser Stelle der Gasthof "Beecken" (später Klosterkrug) errichtet, der nach Gründung des deutschen Kaiserreichs (1871) als Wahllokal für den Wahlbezirk Ramelsloh/Marxen diente (Die Abbildung zeigt den Klosterkrug auf einer Fotografie aus dem Jahr 1930).

1866 n.Chr.
Im preußisch-österreichischen Krieg setzte sich Preußen gegen Österreich um die Vormachtstellung im Deutschen Bund durch und das Königreich Hannover wurde - als Folge seiner Österreich freundlichen Politik - von Preußen annektiert. Wie die Sozialdemokraten und zeitweise auch Katholiken wurden jetzt auch jene Hannoveraner als Reichsfeinde angesehen, die "ihrem" König treu blieben und ein freies Hannover forderten. König Georg V. (1819-1878) selbst flüchtete ins Exil nach Österreich.
1870 n.Chr.
Die Landhühnerrasse Ramelsloher Blaubeine wird über die Grenzen Ramelslohs bekannt, unter anderem durch die in Hamburger Restaurants als Delikatesse angebo-
tenen Maststubenküken (siehe auch unter "Chronik" den Menuepunkt "Ramelsloher Blaubein").
1889 n.Chr.
Die alte, mit Feldsteinen gebaute Stiftskirche aus dem Jahr 1601 war gegen Ende des 19. Jahrhunderts so baufällig geworden, dass man 1887 das Gemäuer abtrug und ein neues Gebäude (siehe Abbildung rechts) errichtete, das 1889 eingeweiht wurde (weitere Informationen siehe unter "Chronik - Die Kirche").

1892 n.Chr.
Gründung der Spar- und Darlehnskasse Ramelsloh. Die ländlichen Unterschichten der Häuslinge und Landarbeiter bekamen durch die Gründung von Kreditgenossenschaften die Möglichkeit eine eigene Existenzen zu begründen. Die größeren Besitzer nutzten die günstigen Kredite zur Modernisierung ihrer landwirtschaftlichen Betriebe.
1898 n.Chr.
Gründung des Kriegervereins Ramelsloh
1911 n.Chr.
Die Elektrifizierung hält Einzug in Ramelsloh. An der Straße nach Harmstorf wird direkt an der Seeve ein Elektrizitätswerk errichtet (siehe Abbildung: heute befindet sich hier das Restaurant "Seeve Terassen").

1914 n.Chr.
Während im Januar wegen der Gründung des Männerturn-
vereins Ramelsloh noch Grund zum ausgelassenen Feiern bestand, kamen infolge des 1.Weltkrieges (bis 1918) , der 32 Ramelslohern das Leben kostete, die öffentlichen Ver-
gnügungen ab August zum Erliegen. Bald wurden nicht nur die Lebensmittel sondern auch die Rohstoffe knapp: im September 1917 mussten die beiden kleinen Kirchen-
glocken als Kriegsmetall abgeliefert werden.
1920 n.Chr.
Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Ramelsloh. Anlass waren zahlreiche Großbrände in Ramelsloh, zuletzt im Oktober 1920, die große Teile des Dorfes zerstört hatten (Unsere Abbildung zeigt das alte Spritzenhaus).

1921 n.Chr.
Gründung der Landwirtschaftlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft Ramelsloh-Ohlendorf mit dem Ziel, die wirtschaftliche Situation der Landwirte durch gemeinsamen Einkauf von Betriebsmittel, gemeinsame Nutzung von landwirtschaftlichen Geräten und den gemeinsamen Absatz der Produkte zu verbessern
1937 n.Chr.
Umgestaltung des bisherigen Moorteichs, in dem die Ramelsloher schon seit altersher gebadet hatten, zum Badeteich (Unsere Abbildung zeigt Schülerinnen und Schüler, die zum Arbeitseinsatz am Badeteich herangezogen wurden).

1939 n.Chr.
Am 1.September begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der zweite Weltkrieg, der nahezu 60 Millionen Menschen das Leben kostete. Seit Juni 1940 fielen immer wieder Bomben auch auf Ramelsloh, die aber glücklicher Weise keine Menschenleben kosteten und nur in wenigen Fällen Sachschaden anrichteten. Von der Front hingegen trafen immer wieder Vermissten- oder Gefallenenmeldungen ein. Insgesamt verloren 48 Ramelsloher im 2.Weltkrieg ihr Leben.
1945 n.Chr.
Am 20.April war der 2.Weltkrieg für die Ramelsloher Zivilbevölkerung endlich beendet. Englische Panzertruppen erreichten den Ort aus Richtung Jesteburg/Harmstorf und quartierten sich in den Gasthäusern Ramelsloher Hof und Dorfkrug, aber auch in einigen Privatgebäuden, ein.
1946 n.Chr.
Durch die Verordnung Nr. 46 der britischen Militärregierung wurde das Land Preußen aufgelöst. Dadurch erhielten Hannover, Schleswig-Holstein sowie das neugeformte Nordrhein-Westfalen den Landesstatus.
Infolge der Bemühungen des Hannoverschen Ministerpräsidenten Hinrich-Wilhelm Kopf schlossen sich die Länder Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Schaumburg-Lippe am 1. November 1946 zum heutigen Bundesland Niedersachsen zusammen.
1964 n.Chr.
Bezug der Mittelpunktschule Ramelsloh auf dem Ulenbarg (siehe Abbildung). Seither bildeten die ursprünglich selbstständigen Volksschulen Ramelsloh, Ohlendorf und Holtorfsloh (bis 1974 auch Marxen) eine gemeinsame Mittelpunktschule. Seit 1978 werden in der Ramelsloher Schule nur noch Grundschüler unterrichtet. Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 fahren mit dem Schulbus nach Hittfeld.

1972 n.Chr.
Ramelsloh und achtzehn weitere ursprünglich selbstständige Gemeinden schließen sich zur Einheitsgemeinde Seevetal zusammen
1995 n.Chr.
n Ramelsloh findet die 1150 Jahrfeier statt. Im Rahmen eines Festumzuges, an dem sich alle örtlichen Vereine beteiligten, wurden Motive aus der Geschichte des Ortes in historichen Kostümen nachgestellt (siehe Abbildung). Außerdem finden Vorträge zur Geschichte, Ausstellungen und Kirchenkonzerte statt.

Text von Bernd Renner
Originaltext ist auch unter "http://www.sv-ramelsloh.de" zu finden.
Geschichte des Orts






